Balkonkraftwerk
Kurz gesagt
Nach Süden bringt in Kassel eine Neigung um 35 bis 40 Grad den höchsten Jahresertrag, rund 1017 kWh je kWp. Senkrecht am Geländer, also 90 Grad, sind es 720 kWh, 71 % davon. Im Winter dreht sich das: Von Dezember bis Februar liefert senkrecht mehr als 30 Grad. Nach Osten und Westen gilt dagegen: je flacher, desto mehr.
Die Neigung gibt an, wie steil das Modul steht: 0 Grad liegt flach, 90 Grad hängt senkrecht am Geländer. Die Tabelle zeigt für denselben Ort, was jeder Winkel nach Süden und bei einer Ost-West-Aufteilung bringt, über das Jahr, im Sommer und im Winter.
| Neigung | Süd: kWh/Jahr | zum Bestwert | Süd: Dez–Feb | Süd: Jun–Aug | Ost-West: kWh/Jahr | Ost-West: Dez–Feb |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0° (flach) | 858 | 84 % | 60 | 362 | 858 | 60 |
| 10° | 929 | 91 % | 77 | 372 | 853 | 60 |
| 20° | 980 | 96 % | 92 | 375 | 840 | 61 |
| 30° | 1010 | 99 % | 105 | 372 | 822 | 62 |
| 35° | 1016 | 100 % | 110 | 368 | 810 | 61 |
| 40° | 1017 | 100 % | 114 | 361 | 795 | 61 |
| 50° | 1002 | 99 % | 121 | 343 | 758 | 59 |
| 60° | 964 | 95 % | 124 | 318 | 710 | 56 |
| 70° | 904 | 89 % | 124 | 286 | 651 | 53 |
| 80° | 822 | 81 % | 121 | 248 | 583 | 48 |
| 90° (senkrecht) | 720 | 71 % | 115 | 204 | 508 | 42 |
Berechnet mit PVGIS 5.3 (PVcalc), Strahlungsdaten PVGIS-SARAH3 2005–2023, PVGIS © Europäische Union. Referenzort Kassel (51,31° N, 9,48° O), 1 kWp kristalline Module, 14 % Systemverluste, freier Horizont ohne Verschattung, Abfrage vom 16.10.2026. Die 800-Watt-Grenze des Wechselrichters ist nicht berücksichtigt. Ost-West: Mittelwert aus Modulen nach Ost und nach West. „Zum Bestwert“ bezieht sich auf 40 Grad Süd, den höchsten Wert der Tabelle; PVGIS nennt für diesen Ort 38 Grad als optimale Neigung.
Die meisten Balkonkraftwerke hängen senkrecht, weil das die einfachste Befestigung ist. Nach Süden kostet das über das Jahr knapp 30 Prozent gegenüber der besten Neigung: 720 statt 1017 kWh je kWp. Der Verlust entsteht fast ganz im Sommer. Von Juni bis August bringt senkrecht 204 kWh je kWp, 20 Grad Neigung dagegen 375. Die hohe Sommersonne scheint an einer senkrechten Fläche fast vorbei.
Nach Süden ja, wenn es die Halterung hergibt: 30 Grad bringen 1010 kWh je kWp, rund 40 Prozent mehr als senkrecht. Nach Osten und Westen ist der Gewinn kleiner, und die beste Neigung liegt dort sehr flach. Das Ost-West-Feld bringt flach liegend 858 kWh je kWp, senkrecht 508. Ein angewinkeltes Modul steht allerdings weiter vom Geländer ab und kann den Platz darunter oder den Balkon darunter verschatten; das gehört in die Abwägung.
Im Sommer gewinnt eine flache Neigung, im Winter eine steile. Von Dezember bis Februar liegt das Maximum nach Süden bei 60 bis 70 Grad mit rund 124 kWh je kWp, und selbst senkrecht kommt mit 115 kWh mehr heraus als 30 Grad mit 105 kWh.
Wer zweimal im Jahr umstellt, von April bis September 30 Grad und von Oktober bis März 60 Grad, kommt nach denselben Daten auf 1044 kWh je kWp. Fest auf 40 Grad sind es 1017 kWh. Das Umstellen bringt also rund 2,7 Prozent. Ob sich der Aufwand dafür lohnt, entscheidest du am besten nach deiner Halterung.
Der Neigungswinkel hilft nur, wenn die Sonne die Module überhaupt erreicht. Mittags steht sie in Kassel am kürzesten Tag nur rund 15 Grad hoch, zur Tagundnachtgleiche rund 39 und am längsten Tag rund 62 Grad. Ein Haus gegenüber, dessen Oberkante von deinem Modul aus mehr als etwa 15 Grad über dem Horizont liegt, nimmt im Hochwinter also auch mittags die direkte Sonne weg. Im Sommer steht die Sonne über demselben Haus.
Weil senkrechte Südmodule ihren Vorteil gerade im Winter haben, wiegt eine solche Verschattung am Balkon schwerer als auf dem Dach. Dazu kommen Schatten, die die Tabelle nicht kennt: die Balkonplatte darüber, eine Brüstung vor einem aufgestellten Modul, Bäume, die nur im Sommer Laub tragen. Schon ein teilweise beschattetes Modul kann je nach Verschaltung mehr Leistung verlieren, als die beschattete Fläche vermuten lässt. Welche Himmelsrichtung wie viel bringt, steht im Ratgeber Balkonkraftwerk-Ausrichtung.
Stand: 2026-10-16
Die passende App
Die Tabellen gelten für freien Himmel. An deinem Balkon kommt dazu, was gegenüber steht, und der Kompass am Metallgeländer liegt oft daneben. BalkonWatt misst beides mit dem iPhone.
Kostenlos sind die Messung, der Jahresertrag und die Ersparnis im ersten Jahr. Mit BalkonWatt Pro kommt unter anderem der Neigungs-Optimierer dazu: Er rechnet alle Winkel von 0 bis 90 Grad in Zwei-Grad-Schritten für deinen Balkon durch und nennt das Optimum.
Nach Süden bringen in Kassel 35 bis 40 Grad den höchsten Jahresertrag, rund 1017 kWh je kWp; PVGIS nennt 38 Grad als Optimum. Nach Osten und Westen ist eine flache Neigung besser.
Nach Süden rund 30 Prozent gegenüber der besten Neigung: 720 statt 1017 kWh je kWp im Jahr. Der Verlust entsteht fast ganz im Sommer; im Winter liefert senkrecht sogar mehr als 30 Grad.
Im Winter steil, nach Süden 60 bis 70 Grad mit rund 124 kWh je kWp von Dezember bis Februar. Im Sommer flach, um 20 Grad. Zweimal im Jahr umzustellen bringt nach PVGIS rund 2,7 Prozent mehr als fest 40 Grad.
Nach Süden ja: 30 Grad bringen 1010 kWh je kWp im Jahr, rund 40 Prozent mehr als senkrecht. Ein angewinkeltes Modul kann aber den Balkon darunter verschatten.
Am stärksten im Winter. Mittags am kürzesten Tag steht die Sonne in Kassel nur rund 15 Grad hoch, ein Haus gegenüber mit höherer Oberkante nimmt dann die direkte Sonne ganz weg. Gerade dann hätten senkrechte Südmodule ihren Vorteil.
Mehr aus dem Ratgeber